Historikus-Vogtland

 

EDITORIAL zum aktuellen Heft:

Liebe „Historikus“-Leserinnen und Leser,

?die hussitische Übermacht muss niederschmetternd gewesen sein! 40.000 Mann, schwer bewaffnete Gesellen mit Erfahrung im Brandschatzen und Töten, zogen Anfang 1430 vor der Stadt Plauen auf. Auch wenn die von späteren Chronisten genannte Zahl womöglich ein bisschen hochgegriffen ist (Zeitzeugen haben sich im Angesicht des Todes dazu keine Notizen gemacht) – stellen Sie sich ein volles Fußballstadion vor, Erste Bundesliga, und umzingelt von diesen Menschenmassen das kleine Plauen mit seinen damals 1.500 Einwohnern.

Na ja, die Sache ist dann ja auch nicht so gut ausgegangen für unsere Vorfahren. So wie der Mönch auf dem Titelbild wälzten sich nahezu 200 Plauener in ihrem Blut, als die Böhmen mit Plauen fertig waren. Für diese und eine weitere Aufnahme im Heft möchten wir uns beim Festspielverein Neunburg vorm Wald bedanken. Die Gegend um Schwandorf litt 1433 auch unter den Hussiten, im Gedenken an die erfolgreiche Abwehrschlacht von Hiltersried führen die Oberpfälzer jedes Jahr (2012 zum 30. Mal) ihr opulentes Freilichtspiel "Vom Hussenkrieg" auf. Dank an dieser Stelle auch an weitere Fern-Leihgeber von Fotos – Herrn Ekkehard Lauritzen aus Hamburg, der die seltene Aufnahme auf dem Titel des vorigen Heftes zur Verfügung stellte, dem Deutsch-Deutschen Museum in Mödlareuth und der Stadt Wunsiedel, die uns gleich am Tag der Anfrage eine Foto-Auswahl zurückmailte. Und vielleicht gibt's ja auch noch eine Antwort von der Euregio-Egrensis-Geschäftsstelle auf unser Ersuchen vom 8. November 2011 ...

Soll man den U-Boot-Kommandanten Werner Hartenstein verehren oder verurteilen? Spätestens seit der "Laconia"-Verfilmung ist das ein Thema, nicht nur in Plauen, wo Hartenstein herstammt. Weder noch, denke ich. Fakt ist, dass Hartenstein mehr getan hat für seine Opfer als andere Kapitäne in vergleichbaren Situationen. Andererseits war er als Korvettenkapitän (Major) nicht das kleinste Rad im Getriebe des Krieges und hat Tausende von Menschen in den Tod geschickt. Es ist richtig, die humanen Taten des Marine-Offiziers – er unterstützte im September 1942 noch einmal Schiffbrüchige – nicht zu vergessen. Aber unangemessen, ihm an öffentlicher Stelle eine Gedenktafel zu setzen.

Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg von feindlichen Soldaten beim Händeschütteln, es gibt noch mehr davon. Auf unsere Titelgeschichte im vorigen Heft rief Walter Schuster aus Plauen an. Der Senior besitzt sehr gut erhaltene Aufnahmen von seinem Großvater, der im Sächsischen Landwehr-Infanterie-Regiment 107 (Zwickau) an der Ostfront kämpfte und 1917 mit den Russen Frieden schloss. Nicht zum Weihnachtsfest, sondern nach dem Waffenstillstand, den die neue bolschewistische Regierung ab 15. Dezember 1917 für die gesamte Ostfront aushandelte. Landser Robert Schus­ter kehrte im Jahr darauf wohlbehalten heim, arbeitete wieder als Zither­bauer und starb hochbetagt mit 85 Jahren.

Beim Fleischeinkauf mussten unsere Vorfahren hellwach sein. Es kam nicht so selten vor, dass die Meis­ter ihre Kund­schaft über den Löffel balbierten. Deshalb kontrollierten die Stadträte den Markthandel mit Argusaugen und gaben Preise und Gewichte vor. Essen übrigens würden wir manches, was die Hausfrau damals beim Fleischer erstand, wohl eher nicht mit Appetit – oder hätten Sie Lust auf ausgekochten Kalbskopf und frisches Gekröse?

Ihr Andreas Krone